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Die württembergischen Jägertruppen in den Napoleonischen Kriegen
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Mit einem Dekret Herzog Friedrichs von Württemberg vom 6. Oktober 1799 wurde am 7. Oktober 1799 in Stuttgart die Fußjägerkompanie v. Scharffenstein aufgestellt und als Flügelkompanie dem Grenadierbataillon v. Zobel zugeteilt. Der Erlass lautete: "Seine Herzogliche Durchlaucht machen hiemit folgendes zur gehörigen Nachachtung bekannt: Zu dem Grenadier-Bataillon von Zobel wird hiemit eine Jäger-Compagnie errichtet, welche bestehen soll aus 1 Capitaine 2 Lieutenants 1 Ober-Jäger 4 Premier-Jäger 1 Feldscher 1 Fourier 2 Wald-Hornisten mit Trompeters-Gage 90 Jäger - welche sämtlich Gage wie die Grenadiers erhalten. Hiezu soll kommen Hauptmann Scharffenstein Lieutenant von Dernbach Lieutenant Scheidemantelund die von den Bataillons consignirten Jäger und Schützen und der sich gemeldete und bereits assentirte Jäger, aus denen auf Herzogliche Genehmigung die erforderliche Anzahl Ober- und Premier-Jäger auszuziehen sind. Die Uniformierung - nach dem Schnitt der übrigen Infanterie-Uniform - ist dunkelgrün, schwarz Aufklapp mit grünem Futter, weiße Knöpfe, dunkelgrüne lange Beinkleider, weißes Gilet, kurze leichte Stiefel, ein runder Filzhut, der vorn aufgeschlagen ein F II und ein grünes Büschel hat. An der Säbel-Kuppel, welche von schwarzem Leder sein muss, soll die Cartouche von gleichem Leder befestigt sein und vorn sitzen. Sowohl Seitengewehr als Cartouche wird der Obristlieutenant und Artillerie-Commandant v. Camrer herbeizuschaffen haben. Die Officiers-Röcke sind nach dem Schnitt der Übrigen, ebenso Farbe der Röcke und Beinkleider, zum Ausrucken tragen die Officiers Hüte wie die Gemeinen, Säbel und Büchse."
In dieser neuen, von der übrigen Infanterie in der Farbe deutlich abweichenden Uniform nahm die Jägerkompanie schon am 3. November am Gefecht bei Erligheim teil und warf zusammen mit Grenadieren ohne eigene Verluste die Franzosen aus dem Ort hinaus. Sie erhielt ein besonderes Lob des Truppenführers. Die Kompanie bestand aber noch nicht einmal vier Wochen und von einer gezielten Ausbildung für den neuen Verwendungszweck konnte bisher keine Rede sein. Ein Sturmangriff bergauf gegen einen Gegner, der einen Ort besetzt hält, gehörte auch keineswegs zu den Aufgaben dieser neuen leichten Infanterie. Der Herzog war aber vom Wert seiner Jäger überzeugt. Der Erfolg stand im Vordergrund und berechtigte zur weiteren Verfolgung des Jäger-Konzeptes, zumal es Erfahrungen in anderen Ländern gab. Jäger gab es seit etlichen Jahrzehnten in den Armeen vieler europäischer Staaten. Fast überall nutzte man ein vorhandenes ziviles Potential, mit der Jagd vertraute junge Männer, gleichgültig, ob es sich bei ihnen um bei einem Grundherren angestellte Jäger oder vielleicht um Wilddiebe handelte. Alle hatten ganz bestimmte Vorzüge, die man sich auch beim Militär zu Nutzen machen wollte. Sie konnten schon mit Schusswaffen, Büchsen oder Flinten, umgehen, und sie konnten auch bewegliche Ziele treffen. Sie waren gewohnt, sich bei jedem Wetter zu Fuß in der Natur zu bewegen, Wild zu beschleichen und lange unentdeckt zu bleiben. Diese Fähigkeiten waren gut geeignet zur Erkundung von Gelände, zur Beobachtung des Feindes, seines Verhaltens und seiner Bewegungen. Jäger konnten, selbständig handelnd, Vorposten und Wachen überwältigen und Transporte mit nur geringer Bedeckung überfallen und zu ihrer Beute machen. Jäger konnten aber auch als Vorhut eigener Marschbewegungen eingesetzt werden und den Schutz offener Flanken übernehmen. Unmittelbar vor der eigenen Truppe eingesetzt konnten sie durch vereinzeltes, aber gezieltes Feuer den oft noch in der Lineartaktik aufmarschierenden Gegner stören und demoralisieren. Gegen die französische Infanterie der Revolutionsheere, die in offeneren Formationen kämpfte, war diese letzte Fähigkeit allerdings nur noch von geringem Wert.
Im Januar 1800 wurde die Fußjägerkompanie vom Grenadierbataillon v. Zobel getrennt und als selbständige Truppe nach Vaihingen a. d. Enz verlegt. Am 11. März wurden die Schwarzen Jäger stark vermehrt, als eine zweite Kompanie aufgestellt und die Stärke beider Kompanien verdoppelt wurde. Sie bildeten nun ein Fußjägerkorps, dessen Kommandeur am 16. März 1800 der Major Graf v. Üxkyll wurde. Zusammen mit anderen württembergischen Truppen ein Ergänzungskorps für das bereits abgerückte württembergische Reichskontingent bildend marschierte das Fußjägerkorps am 15. Mai 1800 in den Raum Gundelfingen - Dillingen. Hier traf der herzogliche Befehl ein, dass aus den Depotkompanien der Musketierbataillone v. Seeger, v. Beulwitz und v. Seckendorff eine dritte Jägerkompanie zu bilden sei. Am 24. Mai 1800 nahm das Fußjägerkorps am Gefecht bei Ettenbeuren teil. Durch einen taktischen Fehler seines Kommandeurs erlitt es empfindliche Verluste gegen französische Kavallerie. Der darüber sehr ungehaltene Herzog löste den Kommandeur ab und ersetzte ihn durch den Hauptmann Freiherrn v. Roman, der sogleich zum Major ernannt wurde. Es folgten weitere Gefechte im Juni verbunden mit Ausweichbewegungen vor den starken Franzosen bis es Mitte Juli zum Waffenstillstand kam. Bis in den September blieb das Fußjägerkorps in einem Lager bei Mühldorf am Inn. Im Winterfeldzug bis zum Waffenstillstand im Dezember waren die Jäger am Inn, der Salzach, an Traun und Enns eingesetzt; zum Schluss standen sie nur noch wenige Stunden vor Wien.
Im Sommer- und Winterfeldzug 1800 verlor das Fußjägerkorps 6 Tote, 36 Verwundete, 133 Gefangene, 92 Vermisste und aus Erschöpfung Zurückgebliebene, 29 Desertierte und 23 an Krankheit Gestorbene, insgesamt also 319 Mann. Erst im Februar/März 1801 rückten sie nach Böhmen ab und trafen im Mai nach einjähriger Abwesenheit wieder in Ludwigsburg ein.
Der Feldzug 1800 hatte aber den Nutzen der Jägertruppe klar erwiesen und ließ nun eine weitere Vermehrung dringend notwendig erscheinen. Schon am Tage der Rückkehr ordnete Herzog Friedrich die Aufstellung einer 4. Kompanie und die Umwandlung des Fußjägerkorps in ein Bataillon unter dem Namen Fußjägerbataillon v. Roman an. Am 16. Mai 1801 wurde ihm an Stelle des bisherigen grünen Büschels auf dem Hut ein hoher grüner Federbusch verliehen.
Am 23. August 1802 befahl der Herzog die Aufstellung einer 5. Kompanie und am 8. Dezember wurden der Bataillonsstab und zwei Kompanien nach Schwäbisch Hall und zwei Kompanien unter Hauptmann v. Scharffenstein nach Heilbronn verlegt, nur eine Kompanie verblieb in Vaihingen a. d. Enz. Die politischen und militärischen Probleme der nächsten Zeit vorausahnend befahl Friedrich, nunmehr Kurfürst, am 12. September 1805 die Aufstellung eines zweiten Fußjägerbataillons zu drei Kompanien. Hierzu hatte das bisherige Bataillon zwei Kompanien abzugeben und es trat noch eine Kompanie des Leibgrenadierbataillons hinzu. Das neu errichtete Bataillon erhielt den zum Major beförderten Hauptmann v. Scharffenstein zum Kommandeur und den Namen Fußjägerbataillon v. Scharffenstein. Gleichzeitig traten einige Änderungen der Uniform ein. Der Hut wurde durch einen schwarzledernen Tschako ersetzt. An ihm befand sich ein vorne zusammen gehaktes handbreites grünes Tuch, das zum Schutz von Ohren und Nacken heruntergeschlagen werden konnte, und vorn eine grüne Rose, bei den Oberjägern und den Hornisten mit goldenen Streifen. Das Band am Tschako der Offiziere war aus schwarzem, grün vorgestoßenen Samt. Zwischen den Enden saß in der Mitte ein ovaler Schild, mit Namenszug FR in Knopffarbe. Das Bataillon Roman erhielt goldfarbene Knöpfe und Tressen, das Bataillon Scharffenstein behielt die bisherigen silberfarbenen Knöpfe und Tressen bei. Die Patronentasche wurde nun an schwarzem Lederzeug über der Schulter getragen, ebenso von den Offizieren der Säbel, der gelbes Gefäß, schwarzlederne Scheide und eine grüne Säbelquaste hatte. Nur für die Premierjäger blieb es bei der alten Trageweise der Patronentasche vor dem Leib. Grüne Handschuhe aus Tuch, graumelierte Mäntel und Tornister mit Kochgeschirr und schwarzen Trageriemen vervollständigten die Ausstattung.
Den Anfang Oktober 1805 gegenüber Napoleon für die Auseinandersetzung mit Österreich eingegangenen Verpflichtungen folgend wurde aus den beiden Bataillonen die Fußjägerbrigade Oberst v. Roman gebildet, die zu der den Franzosen zur Verfügung gestellten württembergischen Division trat. Am 6. Oktober 1805 rückten die Jäger ab und erreichten über Augsburg und Braunau schließlich Linz. Dort trafen im Dezember die Ergänzungsmannschaften ein, die die mittlerweile befohlene Vermehrung beider Bataillone auf je vier Kompanien erreichen sollten. Außer bei einem kurzen Gefecht, an dem nur eine Kompanie ohne Verluste teilnahm, wurden beide Bataillone in diesem Feldzug nicht gefordert. Anfang 1806, Württemberg war inzwischen Königreich geworden, traten die Fußjäger den Rückmarsch an. Am 23. Januar 1806 befahl König Friedrich, dass die beiden Fußjägerbataillone zusammen mit den beiden leichten Infanteriebataillonen eine leichte Infanteriebrigade bilden sollten. Ihr Kommandeur wurde Oberst v. Roman. An seiner Stelle übernahm Major v. Hügel dessen bisheriges Bataillon, das nun den Namen Fußjägerbataillon v. Hügel erhielt. Beide Fußjägerbataillone wurden in den nächsten Monaten zur Besetzung neu hinzugewonnener Landesteile eingesetzt. Im Juli 1806 trat Württemberg dem Rheinbund bei, der im Kriegsfall die Stellung einer starken Truppenmacht forderte. So mussten ab September 1806 je neun Bataillone und Schwadronen sowie 18 Geschütze für den Feldzug gegen Preußen aufgeboten werden. Die beiden Fußjägerbataillone, v. Hügel mit 14 Offizieren, 65 Unteroffizieren und 547 Jägern und Scharffenstein mit 15 Offizieren, 54 Unteroffizieren und 530 Jägern wurden zusammen mit anderen Truppen am 13. Oktober 1806 auf dem Gefechtsfeld vom November 1799, d. h. bei Erligheim, von König Friedrich gemustert. Am Tag darauf marschierte die Truppe nach Sachsen ab und überschritt bald die Grenze nach Schlesien. Beide Bataillone nahmen ab Mitte November an der Belagerung von Glogau und von Dezember bis in den Januar 1807 an der Einschließung von Breslau teil bis die Festungen fielen, wobei sich beide Bataillone besonders auszeichneten. Im Januar 1807 folgte die Belagerung von Schweidnitz, das erst Mitte Februar kapitulierte. Zum 1. Januar 1807 hatte sich König Friedrich zum Chef des Fußjägerbataillons v. Hügel erklärt und dem Bataillon den Namen Fußjägerbataillon König verliehen. Beide Bataillone nahmen ab Februar an der Einschließung der Festung Neiße teil, die Mitte Juni 1807 übergeben wurde. Das Bataillon Scharffenstein wurde aber schon vorher für andere Aufgaben abgezogen. Es nahm im März/April am Marsch nach Glatz teil und hielt sich wieder ausgezeichnet. Glatz wurde eingeschlossen und fiel auch Ende Juni. Beide Bataillone bezogen Quartiere um Reichenbach. Ende August wurde nach Norden in Richtung Berlin abmarschiert, wo in der Mark Quartiere bezogen wurden. Erst Ende November durften nach deutlichem Drängen des Königs alle württembergischen Truppen zurückmarschieren. Die leichte Brigade wurde am 22. Dezember 1807 bei Ellwangen von König Friedrich gemustert und es wurden gleich Oberstleutnant v. Hügel zum Oberst und Oberst v. Scharffenstein zum Generalmajor befördert. Das Bataillon v. Scharffenstein ging nach Stockach und Radolfzell in Garnison und das Bataillon v. Hügel nach Heilbronn.
Im Januar 1808 verlieh König Friedrich seinem Fußjägerbataillon König als besondere Auszeichnung Litzen, den Offizieren goldene, den Unteroffizieren und Mannschaften gelbwollene, und zwar eine auf den Kragen, vier auf die Brustklappen und zwei auf die Aufschläge. Weil sein Personalstand stark abgesunken war, wurde das Bataillon durch ausgesuchte Leute des anderen Fußjägerbataillons und der beiden leichten Infanteriebataillone wieder auf vollen Stand gebracht. Am 4. September 1808 wurde Oberst v. Hügel als Generalmajor Kommandeur der leichten Brigade, blieb aber gleichzeitig Kommandeur des Fußjägerbataillons König. Ende des Monats verlegte das Bataillon nach Rottenburg a. N. Neuer Kommandeur des bisherigen Fußjägerbataillons Scharffenstein wurde Oberstleutnant v. Neuffer. Insgesamt war 1808 ein ruhiges Jahr für Württemberg.
Für den Feldzug 1809 gegen Österreich wurden die Erfahrungen der bisherigen Kämpfe verwertet. Die Leute des ersten Gliedes führten nun gezogene Büchsen mit aufpflanzbaren Hirschfängern; das zweite Glied hatte gezogene Karabiner mit aufgepflanztem Bajonett, zusätzlich den früheren Hirschfänger. Die Premiers waren mit gezogenem Stutzen und dem alten Hirschfänger ausgestattet. Die mitzuführende Menge an Munition wurde von 30 auf 40 Schuss erhöht. Am 13. März verließen beide Bataillone ihre Standorte. Sie gehörten zur 3. (leichten) Brigade, die Generalmajor v. Hügel führte. Das württembergische Korps bestand aus einer Kavalleriedivision zu zwei Brigaden, einer Infanteriedivision mit drei Brigaden und der Artillerie mit drei Batterien. Es erreichte Mitte April den Raum um Donauwörth, stand dann vor Ingolstadt. Bei der Schlacht bei Abensberg zwischen Ingolstadt und Regensburg am 20. April 1809 verloren die Königsjäger 56 Mann an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Vermissten. Bei der Verfolgung der Österreicher am folgenden Tag war eine Kompanie des Fußjägerbataillons v. Neuffer an der Erstürmung des Brückenkopfes von Landshut beteiligt, während die Königsjäger noch einen Tag später das Dorf Ergoltsbach nahmen und zusammen mit einer Kompanie des anderen Bataillons das Schloss von Eggmühl erstürmten. Den Ort Eggmühl eroberte das Bataillon v. Neuffer. Etliche Offiziere, Unteroffiziere und Jäger der beiden Bataillone wurden befördert bzw. mit hohen württembergischen und französischen Orden ausgezeichnet.
In großer Hitze wurde der Vormarsch in Richtung Wien fortgesetzt; Linz wurde von den Württembergern besetzt und drei Kompanien des Bataillons v. Neuffer erzwangen am 5. Mai den Übergang auf das andere Ufer der Donau. Knapp zwei Wochen später waren schwere Angriffe der Österreicher zu bestehen. Ein nächtliches Unternehmen der Jäger brachte viele Gefangene ein, kostet aber auch nicht unbeträchtliche Verluste; und wiederum gab es viele Beförderungen und Orden für beide Bataillone.
In den nächsten Wochen zur Sicherung am rechten Donauufer, später in Wien eingesetzt kamen nur wenige besondere Aufgaben auf die Jäger zu. Nach dem Waffenstillstand im Juli besetzten sie Graz, kehrten dann wieder nach Wien zurück. Im Oktober kam es zum Friedensschluss, aber erst im Dezember abrückend trafen die beiden Bataillone im Januar 1810, das Bataillon König in Rottenburg und das Bataillon v. Neuffer im neuen Standort Reutlingen ein.
Der Zwang zur Sparsamkeit wirkte sich 1811 auch auf die Uniformen der Schwarzen Jäger aus. Im Juni erhielten sie statt der schwarzsamtenen Brustklappen aus grünem Tuch wie die übrige Uniform, die schwarzsamtenen Kragen wurden durch schwarzes Tuch ersetzt. Das Bataillon König verlor seine Litzen auf den Brustklappen, nur auf Kragen und den nun polnischen Aufschlägen blieb je eine Litze. Die grünen Tuchhandschuhe wurden durch graumelierte wie die Mäntel ersetzt. Die Federbüsche verschwanden auch und wurden durch gelb- bzw. weißmetallene Schilde und entsprechende Behänge am Tschako ersetzt. Das Bataillon v. Neuffer wechselte von Reutlingen nach Neustadt a. d. Linde und von dort nach Vaihingen a. d. Enz. Beide Bataillone wurden umbenannt in Jägerbataillon Nr. 1 König und Jägerbataillon Nr. 2; denn nur noch Verbände, die einen königlichen Prinzen zum Chef hatten, sollten dessen Namen führen. Die politische Entwicklung seit Ende 1810 ließ unvermeidlich eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Russland und Frankreich mit seinen Verbündeten erwarten. König Friedrich stellte sich frühzeitig auf die Verpflichtungen Württembergs ein. Am 27. Januar 1812 verlangte Napoleon von den Staaten des Rheinbundes die Bereitstellung ihrer Kontingente bis Mitte Februar.
Für nicht felddienstfähige Leute der beiden Jägerbataillone wurden die besten Soldaten aus den anderen Bataillonen der Infanterie ausgesucht. Nach zahlreichen Musterungen und Besichtigungen enthob der König die beiden Kommandeure Generalmajor Freiherrn v. Hügel und Oberst v. Neuffer ihrer Dienstposten und ernannte zum neuen Kommandeur des Bataillons König den Major v. Seeger und zum Kommandeur des zweiten Bataillons den Major v. Scheidemantel. Beide gehörten den Bataillonen schon mehrere Jahre an. Sie wurden zu Oberstleutnanten ernannt.
Die zum Russlandfeldzug ausmarschierenden württembergischen Truppen standen unter dem Kommando des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Sie hatten eine Stärke von 12 Bataillonen Infanterie, 16 Schwadronen Kavallerie und 5 Batterien Artillerie mit zusammen 13.541 Mann, 3.151 Pferden und 30 Geschützen. Hinzu kam noch ein schon in Danzig stehendes Infanterieregiment (ca. 1200-1500 Mann) Anfang März 1812 wurden die württembergischen Truppen vom König bei Öhringen gemustert. Sie bildeten die 25. Division des III. Korps, das Marschall Ney führte. Am 11. März 1812 brachen die Truppen in Richtung Nordosten auf.
Ich werde nun keinesfalls den ganzen Russlandfeldzug beschreiben, auch nicht alles, was die württembergischen Truppen zu erleiden hatten. Ich beschränke mich auf einige Ausschnitte des Weges der beiden Jägerbataillone in diesem Feldzug und zitiere hin und wieder aus dem Buch „Die Geschichte des Grenadier-Regiments 123“ von Nübling.
Die Division erreichte am 26. Mai die Weichsel und bezog Quartiere auf beiden Ufern um Thorn. Dort traf am 3. Juni gerade rechtzeitig die erste von König Friedrich nachgesandte Zwieback- und Schuhfuhre ein. Jedoch nicht nur Verpflegung und Schuhwerk, noch weitere Probleme für die marschierende Truppe traten auf. Dazu Nübling: "Die Folge der bei der drückenden Hitze sehr anstrengenden Märsche und der am 6. Juni befohlenen Grünfütterung der Pferde war, dass schon jetzt wegen starken Abgangs der Pferde mehrere Lebensmittelwagen zurückgelassen werden mussten. Ersatzpferde konnten trotz der von Napoleon ausgesetzten hohen Preise im Lande nicht aufgetrieben werden. Die weitere Folge war, dass bei der völligen Ausgesogenheit des Landes der eiserne Bestand vorzeitig angegriffen werden musste. Schon gab es auch infolge des Unterschieds zwischen der sengenden Tageshitze und der feuchten Kälte der Biwaksnächte häufig Kranke."
Drei Wochen später stand die Truppe am Njemen, dem Grenzfluss zu Russland. Unter den Augen des Kaisers überschritten die Württemberger am Morgen des 25. Juni den Fluss mit klingendem Spiel. Wie es im kaiserlichen Heer üblich war, trugen sie wie zu einer Schlacht den Paradeanzug. Nübling berichtet: "Neben der glühenden Hitze umwirbelte auf diesen Märschen die Kolonnen ein derartiger Staub, dass bei hellem Sonnenschein die Hornisten an der Spitze der Jägerbataillone unausgesetzt blasen mussten, um den nachfolgenden Kompagnien die Richtung auf den breiten, als solche kaum zu erkennenden Straßen nicht verlieren zu lassen. … Insbesondere wütete die Ruhr, die zum Teil überraschend tödlich verlief. Die Verpflegung hatte in den letzten Tagen nur noch aus wenig Reis und kärglichen Portionen frisch geschlachteten Fleisches von den der Truppe folgenden abgetriebenen Tieren bestanden. Wenn es überhaupt Brot gab, so war es aus ganz schlechtem, mit Hülsen und Stroh vermengtem Mehl gebacken. ... Als Getränke hatte es meist nur schlechtes Sumpfwasser und Branntwein gegeben."
Am 15. Juli rückte die württembergische Infanterie mit nur noch 7.452 Mann unter dem Gewehr in das Biwak von Raskimosi ein. Wieder starben viele Leute an Entkräftung, nachdem schon über 1.200 Mann in den Feldspitälern bei Wilna hatten bleiben müssen. Der größte Teil der Offiziere war von der Ruhr ergriffen. Auch der von Offizieren und Mannschaften gleich geliebte und verehrte Kronprinz Friedrich Wilhelm blieb nicht verschont. Schwer krank musste er beim Abmarsch der Division am 19. Juli in einer elenden Biwakshütte zurückbleiben und dem eben zur Not genesenen Generalleutnant v. Scheler das Kommando der Division übergeben.
Noch hatte es kein Gefecht von Bedeutung gegeben. Die russischen Truppen wichen ständig aus. Allein die Anstrengungen der Märsche, die für uns heute unvorstellbaren hygienischen Verhältnisse und die geringen Möglichkeiten, dem abzuhelfen, hatten die Stärke der Truppe bereits auf die Hälfte absinken lassen. Mitte August begann der Vormarsch auf Smolensk. Mit nur noch 3.810 Mann rückte die württembergische Infanterie heran. Sie war an den Kämpfen um die Stadt beteiligt und die Jäger erlitten hier nicht unbeträchtliche Verluste. Am 1. September hatte die württembergische Infanterie nur noch 1.456 Mann unter Gewehr, etwa ein Sechstel der Sollstärke.
"Einzelne Kompagnien" so berichtet Nübling: "hatten nur noch sechs bis zehn Mann im Glied, und so wurde die gesamte Infanterie der Division in drei „provisorische“ Bataillone zu vier Kompagnien eingeteilt, wobei jede bisherige Brigade ein Bataillon, jedes Bataillon eine Kompagnie bildete. Die Führung der drei Bataillone erhielt Oberst v. Stockmayer unter dem Oberbefehl des Generalmajors Freiherrn Ernst v. Hügel. Die leichte Brigade wurde zur Bildung des I. Bataillons verwendet, das Jägerbataillon König stellte die 1., das Jägerbataillon Nr. 2 die 2. Kompagnie." Zu den schwersten Schlachten des Russlandfeldzuges gehörte die bei Borodino am 7. September 1812. Die Württemberger wurden zur Erstürmung der Bagration-Schanze eingesetzt, die mehrfach den Besitzer wechselte. Nübling schreibt dazu: "Oberst v. Stockmayer gab dem I. provisorischen Bataillon den Befehl, in die Schanze zu eilen und sie bis zum letzten Mann zu verteidigen, dem II. rechts, dem III. links der Schanze zu deployieren. Die beiden aus unseren Schwarzen Jägern bestehenden Kompagnien voran, drängte sich das I. Bataillon zwischen den weichenden Franzosen des 57. Regiments in die Schanze, griff die russischen Kürassiere an, stieß einen Teil mit dem Bajonett vom Pferde und trieb die übrigen hinaus. Unsere Jäger besetzten die Kehle der Schanze und sandten der vorrückenden russischen Infanterie ihr sicheres Feuer entgegen."
Am Morgen des nächsten Tages lag die russische Stellung verlassen da. Die Russen gingen hinhaltend kämpfend zurück. Am 14. September konnten Napoleons Truppen in das von seinen Bewohnern verlassene Moskau einziehen und am 19. September auch die Württemberger. Nübling berichtet: "Mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel zog die württembergische Division, kaum 1.000 Mann unter den Waffen zählend, durch die rauchende Trümmerstadt nach ihren Quartieren. Den Einzug in Moskau machten noch zwölf unserer Jägeroffiziere mit. Die Zahl der Mannschaften ist nicht mehr festzustellen, es dürften aber von beiden Bataillonen zusammen kaum über 180 Mann gewesen sein."
Bald zwang die schlechte Verfassung seines Heeres Napoleon zum Rückzug.
Ein aus Genesenen zusammengestelltes württembergisches Marschbataillon von 1.000 Mann traf noch in Moskau ein. Sie wurden in die drei provisorischen Bataillone eingereiht. So konnte die württembergische Infanterie mit 20 Offizieren und 1.500 Mann am 19. Oktober den Rückmarsch antreten. Es ging über die wohlbekannte Straße nach Smolensk zurück. In der Nacht zum 28. Oktober sank die Temperatur unter den Nullpunkt. Am 1. November erreichten die Württemberger wieder Wjasma. Sie blieben zwei Tage, um dann die Nachhut der Armee zu übernehmen. Insbesondere das I. Bataillon unter Major v. Grünberg hatte sich schwerer russischer Kavallerieangriffe zu erwehren; die Verluste waren zum Glück recht gering.
Nübling schildert die weitere Entwicklung: "Am 11. November erreichten die Württemberger, die Infanterie noch 700 Mann stark, Smolensk, wo unsere Jäger vor dritthalb Monaten im heißen Kampf ihr Blut vergossen hatten."
Am 15. wurde kämpfend Krasnoi erreicht. Der Übergang über die Beresina erfolgte in der Nacht zum 27. November in relativ geordneter Formation. Der noch geschlossene und bewaffnete Rest der württembergischen Infanterie unter Hauptmann v. Koseritz war aber nur noch etwa 150 Mann stark. In Wilna wurden die letzten Württemberger unter Generalleutnant v. Scheler von Marschall Ney entlassen. Sie verließen die Stadt am 11. Dezember und zwei Tage später überschritten noch etwa 300 Mann den Njemen, über den sie sechs Monate zuvor im Paradeanzug nach Russland einmarschiert waren. Von den 36 Offizieren und Beamten und 1.390 Mann, der beiden Jägerbataillone kehrten im Laufe des Januar in die Heimat zurück vom Bataillon König sieben Offiziere und zwölf Mann, vom Bataillon Nr. 2 fünf Offiziere und sechs Mann." Insgesamt nur 30 von über 1.400 überleben den Feldzug, gerade 2 %. Mit den Menschen war natürlich auch alles andere verloren, Waffen, Ausrüstung, Pferde und Fahrzeuge.
Seit November 1812 hatte ein Ergänzungskorps bereit gestanden, dabei auch eine Jägerdepotkompanie; ihren Ausmarsch aber hatte das Fehlen von Nachrichten verhindert.
Der König befahl am 22. Januar 1813, die Reste der beiden Jägerbataillone unter Einbeziehung der Scharfschützen des Landregiments Nr. 2, Hall, auf nur ein Jägerbataillon König zu reduzieren, dann Anfang Februar, es in ein Regiment mit zunächst nur einem Bataillon umzuwandeln. Es erhielt den Namen "Regiment Nr. 9 leichte Infanterie König". Der Kommandeur der leichten Brigade, Generalmajor v. Stockmayer, war zugleich Kommandeur des Regiments. Es wurde die Uniform des bisherigen 1. Bataillons getragen; an Stelle der weiten, langen Hosen gab es enge und die Schaftstiefel wurden durch Schuhe mit kurzen schwarzen Tuchgamaschen ersetzt; Offiziere erhielten Stiefel in Husarenform mit kleiner gelber Quaste. Die Hirschfänger wurden am Schulterkoppel getragen, womit sich das Gurtzeug nun über der Brust kreuzte. Der Tschako erhielt weißen, bei den Offizieren silbernen Schnurbehang.
Am 19. April zog die Brigade im Rahmen des neu gebildeten württembergischen Kontingents in den Krieg gegen Preußen, das sich im März gegen Napoleon gewandt hatte. Mitte Mai wurde Sachsen erreicht. Am 21. Mai nahm das Regiment an der Schlacht bei Bautzen teil und erlitt schwere Verluste wie auch zehn Tage später bei Groß-Rosen. Nach dem Waffenstillstand von Juni bis August und folgendem Vormarsch und Rückzug verlor die Brigade Anfang September bei Euper ein Drittel ihrer Stärke und zwei Tage später in der Schlacht von Dennewitz ebenfalls, wobei das Regiment König hier noch glimpflich davon kam, aber nach der notwendigen Neueinteilung der Division mit nur 300 Mann zwei Kompanien eines kombinierten Bataillons stellte; denn das Herbstwetter, knappe Verpflegung und mangelnde Hygiene im Feld hatten viele Opfer gefordert.
Mit noch 965 Mann in drei Infanteriebataillonen trafen die Württemberger am 15. Oktober bei Leipzig ein, nahmen aber nicht an der großen Völkerschlacht teil. Am 23. Oktober erhielten sie den Befehl zum Rückmarsch in die Heimat. Vier Offiziere und 123 Mann vom Königsregiment kehrten am 8. November 1813 unter Führung von Hauptmann v. Meisrimel nach Ludwigsburg zurück.
Schon am 9. November 1813 wurde das Regiment unter dem Namen: Regiment Nr. 9 König in Ludwigsburg neu aufgestellt; es hatte zwei Bataillone zu je vier Kompanien mit insgesamt 1.424 Mann unter dem Kommando des Oberstleutnant Graf v. d. Lippe – Biesterfeld – Falkenflucht. Es gehörte zur 1. Brigade, die General v. Stockmayer führte.
Am 18. Dezember marschierten die württembergischen Truppen in Stärke von 13.400 Mann zum Rhein ab, der am 30. Dezember oberhalb von Hüningen überschritten wurde. Nach kleineren Gefechten im Januar 1814 nahmen sie am 1. Februar an der Schlacht bei Brienne teil, erreichten Mitte des Monats die Seine, erlitten starke Verluste bei Monterau am 18. Februar und waren wieder bei der Schlacht vor Paris Ende März dabei.
Nach Napoleon Abdankung traten die Jäger bis Mitte Mai zu den Besatzungstruppen in Frankreich. Am 10. Juni waren sie wieder in Württemberg zurück. Das Regiment erhielt nun den Namen Fußjägerregiment Nr. 9 König. Bei der neuen Uniform wurden die Litzen an Kragen und Aufschlägen hinten bzw. oben mit einem Knopf und einer Quaste wie bei der Garde versehen, in Gold für die Offiziere, in gelber Wolle für Unteroffiziere und Mannschaften. Das I. Bataillon ging nach Rottenburg a. N., das II. Bataillon nach Horb und Sulz a. N., es wurde aber bald nach Reutlingen verlegt.
Nach Napoleons Rückkehr von Elba begann der ein Jahr zuvor beendete Krieg von neuem. Am 28. April 1815 marschierte auch das Fußjägerregiment zum Rhein und übernahm im Rahmen der anderen württembergischen Truppen Grenzschutzaufgaben. Weil auch nach der Schlacht von Belle Alliance (Waterloo) und Napoleons endgültiger Abdankung war der Krieg längst noch nicht beendet, am 24. Juni überschritten die Württemberger den Rhein. Im Treffen bei Straßburg am 28. Juni nahm das Fußjägerregiment den Ort Suffelweihersheim unter schweren Verlusten; es waren 10 Tote und mehr als 170 Verwundete ein.
Dieses Gefecht war das letzte der Schwarzen Jäger. An insgesamt 85 Schlachten und Gefechten haben sie im Lauf ihrer Geschichte teilgenommen.
Wieder gehörten sie bis in den Herbst zu den Besatzungstruppen in Frankreich; marschierten dann Ende Oktober zurück und erreichten Ende November den Standort Ludwigsburg, gingen aber schon im April 1816 nach Heilbronn. Ein halbes Jahr später, am 30. Oktober 1816 starb König Friedrich. Sein Sohn und Nachfolger, König Wilhelm, gestaltete das württembergische Heer völlig um. Die Königsjäger gehörten nicht mehr zu den Haustruppen, sondern wurden der Linie zugeteilt. Am 1. April 1817 wurde auch das Königsjägerregiment umbenannt und hieß ganz schlicht nur noch 5. Infanterieregiment.
1818 erhielt das ganze Heer eine einheitlich blaue Uniform, einen schmucklosen, bis an die Knie reichenden Dienstrock, der Kutka oder Kurtka genannt wird, und lange, halbweite Beinkleider. Die Kopfbedeckung war ein allen Zierats beraubter Tschako, Fußbekleidung wurde der schwarze Bundschuh. Mit der Ausgabe französischer Steinschlossgewehre mit Bajonett und kleiner Säbel verschwanden auch die letzten Kennzeichen der Jäger; die württembergische Jägertruppe hatte aufgehört zu existieren.
Ein Aspekt, der die Jäger aus der übrigen Infanterie hervorgehoben, blieb weiterhin von Bedeutung, ihre Fähigkeit zum präzisen Einzelschuss. In allen Regimentern der Infanterie sollten jetzt 20 % der Mannschaften zu Schützen ausgebildet werden, sie erhielten besondere Gewehre, und es gab als Ausbilder Schützenoffiziere und -unteroffiziere. Aus diesen Schützen versuchte man auch den Unteroffiziernachwuchs zu gewinnen. Viel später, 1859 und 1865, wurden in Württemberg neue Jägerbataillone aufgestellt. Sie bestanden nur wenige Jahre; eine Tradition der Schwarzen Jäger konnten sie nicht aufbauen. Die Tradition der Schwarzen Jäger führte das Grenadierregiment König Karl (5. Württ.) Nr. 123 bis zum I. Weltkrieg fort. |
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Dieser Text stammt von Herrn Klusemann (Stand: 22.04.2007) |
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Eingestellt T.S. 15.07.09
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