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Rechtliche Hinweise
Blutsauger, Revolutionskalender und eine donnernde Kanone
 
VON MICHAEL THALKEN,
01.09.03
Franz. Ari in Aktion
Auf dem Kahlenbusch konnte man eine ganz besondere Zeitreise erleben. Mechernich-Kommern - In den ohnehin schon sehenswerten Gebäuden der Baugruppe „Bergisches Land“ wurde das Dorfleben des 19. Jahrhunderts nachgestellt. Zusätzlich zeigte der „Internationale Freundeskreis Lebendige Geschichte“, was die französischen Soldaten im Rheinland um 1803 so trieben. Seit 15 Jahren arbeiten die 120 Mitglieder des Freundeskreises daran, Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ zu machen.
Für die Wiederbelebung des längst vergangenen Alltags ist dabei viel Detailwissen nötig. Vergessene Tätigkeiten mussten dazu in den letzten Jahren ganz neu erforscht und ausprobiert werden. Denn wie man beispielsweise am offenen Herd kocht oder Schuhe und Tornister erstellt, das steht in keinem Lehrbuch.

„Wir haben hier im Freilichtmuseum ein wunderschönes Spielfeld für unser Hobby“, berichtete Dr. Martin Klöffler, der den Geometer Johann Gottfried Schmitz verkörperte - einen Mann, der den Franzosen dabei half, ein Kataster für das Rheinland zu erstellen. In blanken Stiefeln und mit typisch französischer Kopfbedeckung führte Klöffler, der im richtigen Leben Chemiker ist, durch das Dorf. „Nachdem endlich die Waldbrandgefahr vorüber ist, durften wir in den Häusern wieder Feuer machen“, freute sich der Landvermesser. Zum Frühstück hatten die Darsteller sich einen Apfel-Birnen-Brei mit altem Brot munden lassen. Ansonsten bestimmten Kartoffeln und Karotten so wie jede Menge Bratwürste den Menüplan.

Der historischen Inszenierung zugrunde lagen Dokumente aus der linksrheinischen Stadt Wegberg, die seit 1794 französisch besetzt war und seit 1801 zum neu errichteten „Département de la Roer“ gehörte.

Kirchengüter enteignet

Der Präfekt Simon hatte als Erstes die enteigneten Kirchengüter unter den Hammer bringen lassen, um so die maroden Finanzen der Republik zu sanieren. Da die französische Verwaltung die Bürger nur schwer von Neuerungen wie den Revolutionskalender, Französisch als Amtssprache, die Schulpflicht oder das neue Steuersystem überzeugen konnte, kam auch das „Militär“ aufs platte Land. Für dessen Unterhalt mussten natürlich die Bürger aufkommen.

Auf den Gassen erlebte man aber nicht nur Soldaten und Bürger im Disput, auch eine Reihe fliegender Händler hatte sich eingefunden. Unter anderem zeigte ein Wunderdoktor seine Künste, der mit seiner weiblichen Begleitung, die er als „Leichenwäscherin“ titulierte, seine Essenzen und medizinischen Techniken feilbot. Da konnte, wer den Mut aufbrachte, sich einen Blutegel setzen lassen. Die Gerätschaften, die angeblich zum Ziehen von Krampfadern gut waren oder mit denen man die Schädeldecke hätte öffnen können, um einmal „frische Luft ans Hirn zu lassen“, blieben allerdings unbenutzt.

Nicht so die Kanone, die das Militär mit sich führte. Zwei Kaltblüter brachten das Ungetüm mehrmals am Tag auf einem der Museumshänge in Stellung. Fünf Soldaten exerzierten sodann nach historischem Vorbild, luden die Kanone und zündeten die Lunte. Die Explosion, deren Kraft früher Kugeln von fünf Pfund einen Kilometer weit transportierte, hatte es wahrlich in sich.                              
 
 
 
 
http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1062080920521

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Letzte Änderung: 02.01.12 Copyright 01-12 Inhalte: FLG e. V. Copyright 01-12