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Historische Göhrdeschlacht bei Oldendorf nachgestellt

News vom 20. September 2009

Laiendarsteller erinnern an ein Gefecht
der Befreiungskriege

Dahlenburg (ddp-nrd). Ein ohrenbetäubender Knall lässt die Steinker Höhen bei Oldendorf im Landkreis Lüneburg erzittern. Beißender Pulverdampf legt sich über das Lager von 250 Laiendarstellern aus sogenannten Reenactmentgruppen, die am Wochenende in originalgetreuen Uniformen Geschichte lebendig werden ließen – mit echten Kanonen, jedoch ohne scharfen Schuss. Anlass sei der Jahrestag des Gefechts an der Göhrde, bei dem sich am 16. September 1813 eine französische Einheit und preußische, englische, schwedische und russische Truppen gegenüberstanden, sagt Markus Dauber, Tourismusbeauftragter der Samtgemeinde Dahlenburg.

Historische Göhrdeschlacht bei Oldendorf nachgestellt

Das Spektakel finde, «historisch verbrieft», am Originalschauplatz statt. Es existierten noch viele Dokumente und Gemälde von der Göhrdeschlacht. Anfang der 80er Jahre seien in der Erde Knochen der an Ort und Stelle begrabenen Soldaten und Pferde gefunden worden, sagt Dauber.

Marius Franke, Organisator der Nachstellung und zugleich Darsteller des französischen Generals Marc Nicolas Louis Pecheux, erläutert den militärhistorischen Hintergrund. Die alliierten Truppen seien seinerzeit unter General Wallmoden Richtung Westen vorgedrungen. «Dabei störten sie die Kommunikation der Städte Hamburg und Magdeburg, die damals französische Festungen waren», sagt Franke. Pecheux habe den Befehl erhalten, die Truppen mit einer 3000 Mann starken Einheit zu verjagen. «Dies wurde Wallmoden gemeldet, der daraufhin Pecheux einen Hinterhalt legte.»

Im Morgengrauen des 16. September griffen die Alliierten die bei Oldendorf lagernden Franzosen an: 3000 französische Soldaten standen einer 12 000 Mann starken Armee gegenüber. Die unterlegenen Franzosen flüchteten schließlich. General Pecheux habe rund 2000 Soldaten zurück nach Hamburg bringen können. «Seither streiten sich die beiden Parteien um den Sieg», sagt Franke. «Die Alliierten sagen, sie hätten die Franzosen verjagt, und die Franzosen sagen, die Alliierten hätten sie gar nicht zu fassen gekriegt.»

Das Wochenende auf den Steinker Höhen gleicht einer Zeitreise: Ein Lager aus Leinenzelten, dazwischen Soldaten in historischen Uniformen. Hin und wieder marschieren Truppen zu Trommelklängen durch die Zeltreihen – und nach dem über offenem Feuer zubereiteten Mittagessen wird «zum Gefecht» gerüstet.

Hier werde nur eine gute Stunde lang gekämpft, sagt Franke. Tatsächlich habe die Schlacht einen ganzen Tag lang gedauert. «Wir zeigen verschiedene Angriffstaktiken, die Zuschauer können sich ein Bild davon machen, wie schnell sich die Truppen damals überhaupt bewegt haben, wie lange es dauert, ein Geschütz zu laden.»

Geprobt wird nicht. Die beiden Oberbefehlshaber stimmten sich aber vorher ab, was zu tun sei. «Jeder Befehl wird dann nach unten durchgestellt», sagt Franke. Wenn etwas schiefgehe, müsse halt spontan reagiert werden, sagt Franke, dessen prächtige Generalsuniform einen Materialwert von rund 2000 Euro hat.

Hergestellt werden die Uniformen in der Gruppe: Einer näht, ein anderer hat vorher die Schnittmuster recherchiert, ein dritter prägt die Knöpfe und besorgt die Goldstickereien. «Würde man eine normale Soldatenuniform schneidern lassen, läge der Preis bei mindestens 800 Euro», erklärt Franke. «Deshalb ist es wichtig, sich gegenseitig zu helfen.» Die Arbeit an der Generalsuniform habe 18 Monate gedauert.

Für Dahlenburg sei die alle zwei Jahre nachgespielte Göhrdeschlacht mittlerweile das größte Event im Veranstaltungskalender, sagt Dauber. Letztlich stehe die Samtgemeinde damit in einer Reihe mit den historischen Kriegsschauplätzen Leipzig, Großbeeren bei Berlin, Waterloo und Austerlitz – «all die Orte großer Gefechte, die quer über die europäische Landkarte verteilt sind». Auch wenn Napoleon selbst nicht dort gewesen sei: «Unsere Region, die ja eher still und verschwiegen ist, wurde mit der Schlacht an der Göhrde von der Weltgeschichte wachgerüttelt.»

Der ernste Hintergrund der Schlacht, bei der mehrere tausend Soldaten fielen oder schwer verwundet wurden, werde keinesfalls verniedlicht, betont Dauber. «Uns geht es um die Erinnerung daran, was vor rund 200 Jahren hier geschehen ist.»

«Wir wollen die Situation der einfachen Soldaten nachfühlen, was es bedeutet, auf dem Schlachtfeld zu stehen, 40 Kilometer weit zu marschieren», sagt Franke. Man erlebe viel direkter, wie Leute damals dachten. Unter den Schlachtdarstellern seien auch Belgier, Holländer und Dänen. «Was wir hier machen, dient auch der Völkerverständigung», sagt Franke.


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Letzte Änderung: 02.01.12 Copyright 01-12 Inhalte: FLG e. V. Copyright 01-12