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Pflege der Eisen- und Messingteile in der Preussischen Armee
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Der Interessierte Darsteller > Lebendige Geschichte < wird bei dem Studium Preussischer Reglements häufig auf Pflegematerialien stossen, mit deren Bezeichnunger aus heutiger Sicht zunächst nichts anfangen kann. Hierzu gehören u.a. Materialien wie Schmirgel oder Hammerschlag, Englische Erde, Trippel und Baumöl. Darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen, und auch Materialien nennen, die man heute als Alternativen verwenden kann. Kommen wir zuerst zum Schmirgel: Im Fabrikationsablauf der damaligen Zeit wurden die Eisenteile erst geschmiedet und danach befeilt bzw. geschliffen. danach kamen die Teile zur endgültigen Oberflächenbehandlung, zu den sogenannten Schmirglern. Es gab zwei Arten von Schmirgel:Zum ersten bezeichnete man früher unreine Tonerde als Schmirgel, zum zweiten gab es Schmirgel, der aus Erz gewonnen wurde. Diesen gab es in drei Stärken: grob, mittel und fein. Mit diesem wurden die Eisenteile bearbeitet. Die Herstellung verlief folgendermaßen ab: “Der Schmirgel ist ein Eisenerz, im Bruch schwarzgrau und bläulich, sehr schwer und giebt mit dem Stahle Funken. Der beste ist der Levantinische, der in großen, äußerst dichten und schweren Stücken in den Handel gebracht wird. Diese Stücke werden mit einem Hammer zerschlagen, dann auf einer gegossenen, abgeschliffenen Eisenplatte, mittels eines eisernen Läufers, wie jede andere Farbe, nur trocken, abgerieben, um durch weniges Abreiben den Groben, durch längeres den Mittleren, und durch noch längeres den feinen Schmirgel zu erhalten”. (Anschütz S. 85) Dann wurde er mit Baumöl gemischt. Aufgetragen wurde der Schmirgel mit sogenannten Holzfeilen. Der Grobe und Mittlere mit Feilen aus Eichenholz, der Feine mit solchen aus weichem Linden- oder Fichtenholz. Danach wurden die Teile mit klarem, gelöschten Kalk abgerieben um Fett und Schmutz zu beseitigen. Die endgültige Politur erfolgte mit Zinnasche, deren Herstellung wie folgt beschrieben wird: “Die Zinnasche oder Zinnkalk bereiten die Schmirgler selbst. Ein Pfund des besten englischen Zinns wird in ein irdenes, glasuiertes Gefäß getan, und bey Kohlenfeuer 6 Stunden gebrannt. hat dies Gefäß einige Stunden im Feuer gestanden, so setzt sich an der Oberfläche des schmelzenden Zinns die Zinnasche als ein gelblichweißer Kalk an, der halbstündlich mit einem blechernen Löffel abgeschöpft wird. Die auf diese Art gewonnene Zinnasche wird sodann mit Wasser abgeschlemmt, getrocknet und zum Gebrauche aufbewahrt”. (Anschütz S.85) Aufgetragen wurde die Zinnasche mit einer sogenannten Filzfeile. Die Beschaffung, wie auch die Herstellung des Schmirgels und der Zinnasche waren eine teure und aufwendige Angelegenheit, die sich in der Regel nur die Fabriken und Werkstätten leisten konnten.Der Einfache Musketier mußte sich darum mit Ziegelmehl oder sogar feinem Sand begnügen. Dieses muß er so ausgiebig getan haben, dass nach den “Befreiungskriegen” (auch schon vorher, Anmerkung der Redaktion) ausdrücklich in diversen Putz- und Pflegeanleitungen der Gebrauch von Ziegelmehl untersagt wurde. Als glückselig machendes Putzmittel wurde dort eine |
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Mischung aus Koh- lenstaub und Bims- stein angegeben, je mehr Bimsstein, desto gröber die Mischung. Auch sollte versucht werden, dem Rost mit einer fett - oder ölgetränkten scharf- en Bürste zu Leibe zu rücken. Nach dem Putzen wurde die Waffe geölt, als Öl wird Baumöl angegeben. Das ist nichts anderes als Walnußöl. Leider gibt es die vielen Walnußbäume in Gärten und an Weg- rändern nicht mehr, heute ist dieses Öl |
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viel zu teuer, um es an einer Muskete zu verarbeiten. |
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Für die Messinggarnituren wird zur Reinigung Trippel oder Englische Erde mit Branntwein angegeben. Auch hier folgt wieder der Hinweis, kein Ziegelmehl zu benutzen. Was also sind Trippel und Englische Erde ? Bei Trippel handelt es sich um sogenanntes Trippelphosphat, das ist ein kristallines Salz, das unter anderem aus Urin gewonnen wird. Mit Englischer Erde wird Essigsauere Tonerde bezeichnet. Beide Stoffe kann man meines Wissens nach nicht mehr im Handel kaufen, letzteres nicht mehr , weil es giftig sein soll (Essigsaure Tonerde ist in Apotheken erhältlich und wird im medizinischen Bereich, z. B. für Umschläge verwendet, anm. d. Redaktion) Dem Preußendarsteller von heute bleibt zur historischen Reinigung nur das “verteufelte” Ziegelmehl, die nicht so aggressive Mischung aus Kohlenstaub und Bimsstein, sowie für die Reinigung des Messings Poliertonerde.Diese kann als Ersatz zu Englischen Erde akzeptiert werden, da sie aus natürlicher Tonerde besteht, und, wie die Englische Erde, mit Branntwein oder Essig zusammen ein vorzügliches Messingreinigungsmittel abgibt. Poliertonerde wird auch heute zur Metallpolierung eingesetzt und ist daher erhältlich.Die Poliertonerde kann auch mit Öl zur Rostbeseitigung an Eisenteilen benutzt werden, erst wenn das nicht mehr hilft, sollte man als “stärkeres Geschütz” Ziegelmehl nehmen. Bei der Messingpflege könnte man unhistorischerweise auch ein heutiges Pflegemittel nehmen. Zugegeben es wird schön blank, leider viel zu blank, da die heutigen Pflegemittel auch chemisch wirken. Also auch durch blossen Auftrag, ohne zu Reiben, werden die Ritzen und Ecken blank. Dies kann man feststellen, nachdem mit einem Zahnstocher mühsam die feinen Prägungen von der weissen Schicht befreit wurden.Bei der historischen Pflege werden nur die erhabenen Stellen blank, die tiefere Prägung bleibt matt und dunkel. Durch diese Art des Putzens kommt die Prägung schön plastisch hervor. Das gleiche gilt auch für die Säbelgriffe aus Messing. Aber einen Anlaufschutz gab es damas nicht, nach einiger Zeit wurde alles wieder matt, da hiess es Putzen, Putzen und nochmals Putzen . . . . |
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Quellen: Anschütz, H.: Die Gewehrfabrik in Suhl. Dresden 1811Bagensky, K. von: Das neupreußische Gewehr. Berlin 1830Hellrung, Capitain: Die Preußische Landwehr-Compagnie, Halberstadt 1833.Unterricht für die Königliche Preußische Infanterie im Dienste der Garnison, auf Werbung, und im Felde, Berlin 1805, Reprint Biblio Verlag, Osnabrück 1982. |
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Michael Czaika, Hilden
Circulaire 1/96
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Rechtlicher HinweisLetzte Änderung: 06.10.08 Copyright 10-08 Inhalte: FLG e. V. Copyright 10-08 |
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