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Rechtliche Hinweise
Picton, General Sir Thomas 1758-1815 II

Thomas Picton

Sir Thomas Picton, G.C.B., (* 24. August 1758 in Haverfordwest, Pembrokeshire, Wales; † 18. Juni 1815 bei Waterloo, gefallen - Kopfschuss). war ein britischer General, der sich im
Krieg auf der iberischen Halbinsel vielfach ausgezeichnet hat und zu Wellingtons fähigsten Divisionskomman- deuren zählte..
Thomas Picton war das siebte von zwölf Kindern des Thomas Picton aus Poyston († 1790), Pembrokeshire, und der Cecil Powell († 1806), Tochter von Reverend Edward Powell aus Llanddow und Halbschwester von Richard Turberville, der 1740 Sheriff von Glamorgan war. Die Familie hatte normannische Vorfahren, die sich in Pembrokeshire niedergelassen hatten.
Thomas Picton der Ältere war im Jahr vor seiner Hochzeit high sheriff von Pembroke gewesen. Der junge Thomas wurde 1758 im Stadthaus der Familie Laugharne (heute das Dragon Hotel in der Hill Street) in Haverfordwest, wo seine Mutter zu Besuch war, geboren und
Picton, General Sir Thomas 1758-1815
am 29. August 1758 in Rudbaxton, Pembrokeshire, getauft. Sein fünfjähriger älterer Bruder Thomas war im Jahr zuvor gestorben und Picton erhielt dessen Namen. Picton erhielt 1771, im Alter von 13 Jahren, seine Ernennung zum Fähnrich im Regiment seines Onkels William, dem 12th Regiment of Foot. Er verbrachte zunächst zwei Jahre auf der Militärakademie in Chelsea, bevor er tatsächlich in das Regiment eintrat, das sich zu dieser Zeit auf Gibraltar befand.Dort blieb er bis sein Onkel 1777 Colonel (Oberst) im neu aufzustellenden 75th Regiment of Foot (Prince of Wales's Regiment) wurde. Picton erhielt im Januar 1778 die Stelle eines Captain (Hauptmann) im selben Regiment und kehrte mit seinem Onkel zurück nach Großbritannien. Nachdem der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg 1783 durch die Unterzeichnung des Friedens von Paris offiziell beendet war, wurde das in Bristol einquartierte 75. Regiment zu Fuß - wie viele andere Regimenter auch - wieder aufgelöst.

Bei dieser Gelegenheit stellte Picton zum ersten Mal öffentlich seine Courage unter Beweis, als er eine Meuterei seines Regiments (1778), das über den Auflösungsbefehl erbost war, durch beherztes Eingreifen im Keim erstickte. Die dafür versprochene Majorsstelle erhielt er jedoch nie und verbrachte die nächsten elf Jahre auf Halbsold zu hause in Pembroke auf dem er vom Nachlass seines Vaters mehr oder weniger mit leben konnte.

Obwohl 1793 der Krieg mit Frankreich ausbrach, erhielt Picton kein militärisches Kommando und so segelte er im folgenden Jahr aufgrund einer Bekanntschaft mit Lieutenant General Sir John Vaughan, dem dortigen Oberbefehlshaber, der ihn zu seinem Adjutanten machte, auf die westindischen Inseln. Kurze Zeit später wurde Picton zum Major befördert (1794 - 17. Rgt.) und als temporärer Oberstleutnant stellvertretender Generalquartiermeister. Unter Sir Ralph Abercromby, der Vaughan nach dessen Tod im August 1795 als Oberbefehlshaber gefolgt war, nahm Picton an der Einnahme von St. Lucia (24. Mai 1796), für die er rückwirkend zum 22. Juni 1795 zum Oberstleutnant befördert wurde, und an der von St. Vincent (10. Juni 1796) teil. Nachdem die Spanier Trinidad kampflos an Abercromby übergeben hatten (17. Februar 1797), machte dieser Picton zum Gouverneur der Insel Trinidad.
 
Trinidad 1797–1803

Picton erledigte seine Aufgabe als Gouverneur mit solchem Erfolg, dass die Einwohner sich gegen die geplante Rückgabe der Insel an Spanien aussprachen. Ihr Protest, unterstützt von Pictons und Abercrombys Darstellungen der Lage, sicherte dann auch tatsächlich den Verbleib Trinidads in britischer Hand. Gouverneur Picton wurde im Oktober 1801 zum Brigadegeneral ernannt. Nach einer Intrige seiner nicht vergessenen Feinde in England gegen ihn und der Unterstellung der Kolonie unter die Aufsicht einer Kommission, resignierte Picton und kehrte 1803 nach England zurück. Kaum angekommen und eigentlich ruhesuchend wurde er weiter traktiert. Man klagte ihn der unerlaubten Anwendung der Folter an einer Mulattin an. Ein erste Schuldspruch wurde im Wiederaufnahmeverfahren zu einem Vergleich umgewandelt. Er Zahlte einen Geldbetrag zu Gunsten eines Wohltätigkeitsfond und wurde im Gegenzug von allen Vorwürfen entlastet (1805) . . . .
 
Walcheren Expedition 1809
 
Seit 1808 im Rang eines Major-General nahm 1809 an der “Walcheren-Expedition” in Holland (30. Juli bis ende Dez. 1809) teil. Die trotz Anfangserfolge aufgrund hoher “Krankheitsausfälle” und “Führungsschwierigkeiten” - John Pitt, Graf von Chatham und dem Kommandanten der Seestreitkräfte, Sir Richard John Strachan waren sich äußerst uneins -
ende 1809 wieder eingestellt wurde. Von den 40.000 Mann und den 400 eingesetzten Schiffen blieben 5000 bis 7000 Mann Tod zurück, aber nur ca. 200 wurden durch Kampfeinwirkungen getötet.
 
Der Krieg auf der Halbinsel 1810-1814
 
1810 Übernahm er Wunsch Wellingtons die 3 Division. Diese “Figthing 3rd” bewährte sich unter seiner Führung bestens, was man auch in Bucaco, Fuentes de Onoro oder Badajoz sehen konnte. In Badajoz verwundet schenkte er noch jedem überlebenden seines Sturmtrupps einen Guinea. Seine Verwundung bei Badajoz und ein Fieberanfall brachten im Heimaturlaub ein. Nach den Schlachten von Vittoria und Toulouse wurde er dann vom Prinzregenten mit dem “Bath Orden” und dem Lt.-General ausgezeichnet
Nach der Auflösung der 3. Division den “Figthing 3rd”, schenkten die Offiziere ihrem Kommandeur ein wertvolles Tafelservice. Zu seiner persönlichen Enttäuschung und zum Erstaunen der britischen Öffentlichkeit, die ihn als sicheren Kandidaten angesehen hatte, war Picton nicht unter den Generalen, die in den höheren Adelsstand erhoben wurden. Über die Gründe können nur Vermutungen angestellt werden. Zum einen war er nur Divisionskommandeur und kein Führer eines unabhängigen Kommandos fernab der direkten Kontrolle des Oberbefehlshabers. Zum anderen haftete ihm immer noch der Makel der Trinidad-Affäre an. Möglich ist auch, dass seine nicht-adlige Herkunft, sein wenig aristokratisches Auftreten und sein Mangel an Verbindungen dazu beitrugen, dass er nicht geadelt wurde. Was auch immer die Gründe gewesen sein mögen, ein Leserbrief in der Times vom 13. Mai 1814 bezeichnete die Tatsache, dass er übergangen wurde, als positive injustice and insult (dt.: eindeutige Ungerechtigkeit und Beleidigung).

Nachdem das Parlament ihm am 24. Juni 1814 - zum siebten Mal - seinen Dank für die geleisteten Dienste ausgesprochen hatte, verließ Picton den aktiven Militärdienst und zog sich auf seinen Landsitz Iscoed in Ferryside bei Carmarthen zurück, den er 1804 erworben hatte. Anfang 1815 wurde er zum Knight Grand Cross des Most Noble Order of the Bath (G.C.B.) ernannt.
 
Waterloo 1815

Nachdem Napoleon im Frühjahr 1815 von Elba zurückgekehrt war, nahm Picton - auf Wellingtons Wunsch - ein Kommando in der alliierten britisch-niederländischen Armee an. Er wurde Kommandeur der 5. britisch-deutschen Division, die zu dieser Zeit in Belgien stationiert war. Bei Quatre-Bras (16. Juni 1815) erlitt er eine schwere Verwundung. Eine Gewehrkugel brach ihm zwei Rippen und führte zu weiteren inneren Verletzungen. Da er wusste, dass die entscheidende Schlacht unmittelbar bevorstand und eine solch schwere Verwundung zu seiner Ablösung vom Kommando der Division geführt hätte, verheimlichte er seine Wunde und ließ sich nur notdürftig verbinden. Am übernächsten Tag, dem 18. Juni, bezog die 5. Division die ihr zugewiesene Stellung in der Mitte der Schlachtlinie bei La Haye Sainte. Picton hielt seine Männer (Brig. Kempt) in der Deckung, bis die Franzosen unter Drouet d'Erlon nur noch ungefähr 40 Meter entfernt waren, dann ließ er sie aufstehen und gab mit den Worten “Charge Hurra” den Feuerbefehl. Die Division von Donzelot kalt erwischt und bar jeder Neuordnung, wurde dabei zerschlagen. Beim vorrücken und der Divison Donzelot den rest gebend, wurde er im nächsten Moment von einer Kugel in den Kopf (Schläfe) getroffen und fiel tot aus dem Sattel. Captain Tyler, sein Adjutant, der ihn fallen sah, fing ihn mit Hilfe eines Soldaten auf, legte den Leichnam unter einem Baum nieder, um ihn nach der Schlacht wiederfinden zu können, und benachrichtigte den Führer der 8. Brigade, Major General James Kempt, der sofort die Führung der Division übernahm.

Der Oberbefehlshaber, Wellington, würdigte Picton am folgenden Tag in seiner für ihren lakonischen Stil bekannten Depesche an den Kriegsminister Lord Bathurst:

  "Your lordship will observe, that such a desperate action could not be fought, and such advantages could not be gained, without great loss; and, I am sorry to add, that our's has been immense. In Lieutenant-general Sir Thomas Picton, his majesty has sustained the loss of an officer who has frequently distinguished himself in his service; and he fell, gloriously leading his division to a charge with bayonets, by which one of the most serious attacks made by the enemy of our position was defeated."

Sir Thomas Picton wurde am 3. Juli 1815 in der Familiengruft in der St. George's Church am Hanover Square in London beigesetzt.
 
Postume Ehrungen

Am 8. Juni 1859 wurden Thomas Pictons sterbliche Überreste von der St George's Church in die Gruft der Saint Paul’s Cathedral überführt. Er ist der einzige Waliser, der dort beigesetzt ist. Neben dem vom britischen Parlament in Auftrag gegebenen und von Sebastian Gahagan geschaffenen Monument in der St. Paul's Cathedral in London wurde ihm ein weiteres Denkmal in Carmarthen, Wales, errichtet. Das durch Subskription finanzierte Standbild, zu dem Georg IV. 100 Guineas stiftete, wurde 1824 durch den Architekten des Königs, John Nash, gestaltet und 1828 fertiggestellt. Da es der rauhen walisischen Witterung nicht standhielt, wurde es 1846 abgetragen und im folgenden Jahr durch ein neues in Form eines Obelisken ersetzt. Dieses zweite, durch den Architekten Frances Fowler gestaltete, Monument steht dort - nachdem es 1988 Stein für Stein neu aufgebaut wurde - noch heute. Die von E. H. Bailey ausgeführten Basreliefs des ersten Denkmals, die Pictons Tod auf dem Schlachtfeld zeigen, sind heute im Carmarthenshire County Museum in Carmarthen zu sehen. Die Städte Picton in Marlborough, Neuseeland, Picton in Ontario, Kanada, und Picton in New South Wales, Australien, sind nach Sir Thomas Picton benannt.

Der Dichter Thomas Moore, schrieb zu Pictons Ehren ein Gedicht mit der Anfangszeile "Oh, give to the hero the death of the brave." Ein Porträt Pictons von Martin Archer Shee befindet sich in der National Portrait Gallery in London, ein weiteres von Sir William Beechey, ist im Besitz der Herzöge von Wellington (Wellington Museum, London).

Der Generalmajor John Picton (1765–1815) war Thomas Pictons Bruder, General William Picton († 1811) sein Onkel.
Picton, General Sir Thomas 1758-1815 III
Lieutenant-General
Sir Thomas Picton
Picton - death-sir-thomas
Captain Tyler legt den Toten Picton,
mithilfe eines Soldaten, unter einen Baum.
 Quellen:

* Robert Havard: Wellington's Welsh General. A life of Sir Thomas Picton. Aurum Press, London 1996, ISBN 1-85410-402-0
* Frederick Myatt: Peninsular General. Sir Thomas Picton 1758–1815. David & Charles, Newton Abbot 1980, ISBN 0-7153-7923-2
* Vidiadhar Surajprasad Naipaul: Abschied von Eldorado. Eine Kolonialgeschichte. List-Verlag, München 2003,
ISBN 3-548-60358-0 ("The Loss of El Dorado. A colonial history")
* Heaton B. Robinson: Memoirs of Lieutenant-General Sir Thomas Picton. Richard Bentley, London 1836

[Picton]
Letzte Änderung: 21.08.10 Copyright 08-10 Inhalte: FLG e. V. Copyright 08-10